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Rondonia-
Report 1995
Der Beginn
Sandrinha Barbosa hat vor vier Jahren ihre
Heimat in Amazonien verlassen. Durch ihren Großvater mit dem Wissen
der Schamanen vertraut, hatte sie dort zehn Jahre lang für die Gesundheit
der Völker im Tiefland Amazoniens gearbeitet - unter schwersten Bedingungen.
In ihrer leisen Art erzählt sie, was sie zu der langen Reise bewog:
,,Damals war ich müde und ohne Hoffnung, unseren Kampf weiterführen
zu können. So ging ich nach Deutschland, mit der Absicht, Hilfe für
Amazonien zu suchen und meine verlorene Kraft und die Hoffnung wiederzufinden."
Sie hat beides wiedergefunden. Gemeinsam mit Hubert Groß, ihrem Lebensgefährten,
den sie in Deutschland traf, bereitet Sandrinha jetzt für Rondonia ein
Zentrum für indigene Gesundheitsausbildung" vor. Beide haben im Oktober
1993 einen Verein gegründet.,, UIRAPURÜ - Brücke nach Amazonien'. Zusammen
mit der Arbeitsgemeinschaft Regenwald und Artenschutz (ARA e. V.) in
Bielefeld will der Bund für Naturvölker Sandrinha und Hubert unterstützen.
Proteste
- Zum ,,Tag der Indios am 19. 4. 1995 liefen über den ganzen Tag hinweg
Aktivitäten in Porto Velho, der Hauptstadt von Rondonia. Über 400 Indios
waren dabei: Sie führten öffentliche Diskussionen mit Politikern und
mit weißen Bewohnern der Stadt, sie boten Kulturveranstaltungen. Gegen
die von der Regierung geplante Verabschiedung der Satzung der indigenen
Gesellschaft" richtete sich ein Protestmarsch.
Brandrodungen - Der Flughafen von Porto Velho konnte 1995 an mehr
als 150 Tagen nicht angeflogen werden. Grund war die Sichtbehinderung
beim Landeanflug - durch den Rauch der Brandrodungen. In der ersten
Augusthälfte wurden 72.219 Brandstellen in Brasilien gezählt.
Rondonia- Report 1996
Invasionen
- In fast allen Gebieten der Indios ist es in jüngster Zeit zu Invasionen
gekommen. Besonders betroffen sind die Uru-EuWau-Wau, die Karipuna,
SuruL Arara, Gaviao und Paca Nova. Die traditionellen Ökonomien brechen
zusammen. Als Folge leiden fast 90 Prozent der indianischen Bevölkerung
Rondonias inzwischen saisonbedingt an Unterernährung. Tuberkulose, Darminfektionen,
Malaria, Durchfall, Gelbsucht, Wurmbefall, Grippe und Lungenentzündung
treten bei fast allen Völkern vermehrt auf.
Indios sterben wegen fehlender medizinischer Versorgung - Nachdem
ein Indio vom Volke der Parintintin in Porto Velho an Windpocken gestorben
war, weil er keine Medizin erhielt, besetzten kranke Indios verschiedener
Völker am 15. Juli 1996 das Verwaltungsgebäude der staatlichen Indianerbehörde
FUNAI. Das von der FUNAI in Porto Velho unterhaltene "Casa do indio"
(Indianerhaus) stellt für kranke Indios die einzige Möglichkeit dar,
ärztlich behandelt zu werden. Denn in den indianischen Gebieten gibt
es keinerlei staatliche Gesundheitsversorgung. Auch im "Casa do
indio" gibt es mittlerweile kaum noch Hilfe für die Indios; die
Patienten werden nicht einmal ausreichend ernährt. Die Ursache für den
unhaltbaren Zustand liegt in der Politik der brasilianischen Regierung,
die die Mittel der FUNAI um 70 Prozent gekürzt hat. Der schlimme Zustand
in Porto Velho spiegelt die Situation der Indios in ganz Brasilien wieder.
Immer wieder sterben Indianer, weil sie in den Krankenhäusern nicht
behandelt werden oder weil die staatlichen Behörden ihren Aufgaben nicht
nachkommen.
CUNPIR kämpft weiter- Die indianische Organisation
CUNPIR setzt ihren Widerstand gegen die staatliche lndianerpolitik fort.
Vertreter der CUNPIR reisten inzwischen in verschiedene indigene Gebiete
um die dortige Situation kennenzulernen. Künftig will CUNPIR verstärkt
an Projekten mitarbeiten, die die Lebensbedingungen der Indios verbessern.
ARA-Broschüre ,,Indianerland Rondönia" -Im Frühjahr 1997 wird
in der Reihe ,,Ara konkret" das Heft 4 vorliegen. Es befasst sich
mit der Geschichte und dem heutigen Leben der rund 40 indianischen Völker
des brasilianischen Bundeslandes Rondonia. Authentische Berichte erzählen
nicht nur vom physischen Überlebenskampf jener Völker. Sie schildern
auch Strategien, mit der sie ihre Kultur und die verbliebenen Waldökosysteme
zu retten versuchen. ,,Ara konkret" 4 zeigt auf, wie indianische
Völker und engagierte Menschen in der Bundesrepublik als gute Partner
zusammenwirken. Die Broschüre wird in gemeinsamer Trägerschaft von ARA
(Arbeitsgemeinschaft Regenwald und Artenschutz) und anderen Organisationen,
die sich für die indigenen Völker Rondonias einsetzen, herausgegeben.
Der Bund für Naturvölker zählt dazu.
Bei der CUNPIR in Rondonia - Hubert Groß, 2. Vorsitzender des
Bundes für Naturvölker, hat im Februar und März 1996 die Indio-Organisation
CUNPIR besucht. Seit Ende 1995 hatten sich die Hilferufe von dort verstärkt,
ausgelöst durch die Veränderung des staatlichen Dekretes zur Demarkation
indianischer Gebiete und die vielen Übergriffe auf Indianerland. Hubert
Groß stand der CUNPIR bei konzeptionellen Arbeiten zur Seite, auch bei
Verwaltungsfragen, die den Mitarbeitern noch ziemliche Schwierigkeiten
bereiten.
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Sandrinha Barbosa ist Schamanin
und Ärztin vom Volk der Xocó
Photo: J. Wolters

Hubert Groß (r.)
leitet das Büro der Associacao UIRAPURU. Manoel Valdez ist Mitarbeiter
Photo:H. Gilsenbach
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