Projekt
Uirapurú
Rondonia
   
UIRAPURU - ein Hilfsprojekt für Indigene Amazoniens
Seit der zweiten Ausgabe (1995) berichtet BUMERANG über das Gesundheits- und Beratungsprojekt UIRAPURÜ für Indigene der brasilianischen Bundesstaaten Rondonia, Mato Grosso und Amazonas. Immer fand auch die politische, ökologische und soziale Lebenssituation der indianischen Völker Beachtung. Ausgewählte Meldungen -Fortschritte, Probleme, und Rückschläge aus den Jahren 1995 bis 2002 - sind auf den folgenen Seiten zusammengestellt: Eine wechselvolle, insgesamt aber hoffnungsvolle Bilanz.
   

Rondonia- Report 1995

Der Beginn
Sandrinha Barbosa hat vor vier Jahren ihre Heimat in Amazonien verlassen. Durch ihren Großvater mit dem Wissen der Schamanen vertraut, hatte sie dort zehn Jahre lang für die Gesundheit der Völker im Tiefland Amazoniens gearbeitet - unter schwersten Bedingungen. In ihrer leisen Art erzählt sie, was sie zu der langen Reise bewog: ,,Damals war ich müde und ohne Hoffnung, unseren Kampf weiterführen zu können. So ging ich nach Deutschland, mit der Absicht, Hilfe für Amazonien zu suchen und meine verlorene Kraft und die Hoffnung wiederzufinden." Sie hat beides wiedergefunden. Gemeinsam mit Hubert Groß, ihrem Lebensgefährten, den sie in Deutschland traf, bereitet Sandrinha jetzt für Rondonia ein Zentrum für indigene Gesundheitsausbildung" vor. Beide haben im Oktober 1993 einen Verein gegründet.,, UIRAPURÜ - Brücke nach Amazonien'. Zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Regenwald und Artenschutz (ARA e. V.) in Bielefeld will der Bund für Naturvölker Sandrinha und Hubert unterstützen.

Proteste - Zum ,,Tag der Indios am 19. 4. 1995 liefen über den ganzen Tag hinweg Aktivitäten in Porto Velho, der Hauptstadt von Rondonia. Über 400 Indios waren dabei: Sie führten öffentliche Diskussionen mit Politikern und mit weißen Bewohnern der Stadt, sie boten Kulturveranstaltungen. Gegen die von der Regierung geplante Verabschiedung der Satzung der indigenen Gesellschaft" richtete sich ein Protestmarsch.

Brandrodungen
- Der Flughafen von Porto Velho konnte 1995 an mehr als 150 Tagen nicht angeflogen werden. Grund war die Sichtbehinderung beim Landeanflug - durch den Rauch der Brandrodungen. In der ersten Augusthälfte wurden 72.219 Brandstellen in Brasilien gezählt.


Rondonia- Report 1996

Invasionen - In fast allen Gebieten der Indios ist es in jüngster Zeit zu Invasionen gekommen. Besonders betroffen sind die Uru-EuWau-Wau, die Karipuna, SuruL Arara, Gaviao und Paca Nova. Die traditionellen Ökonomien brechen zusammen. Als Folge leiden fast 90 Prozent der indianischen Bevölkerung Rondonias inzwischen saisonbedingt an Unterernährung. Tuberkulose, Darminfektionen, Malaria, Durchfall, Gelbsucht, Wurmbefall, Grippe und Lungenentzündung treten bei fast allen Völkern vermehrt auf.

Indios sterben wegen fehlender medizinischer Versorgung
- Nachdem ein Indio vom Volke der Parintintin in Porto Velho an Windpocken gestorben war, weil er keine Medizin erhielt, besetzten kranke Indios verschiedener Völker am 15. Juli 1996 das Verwaltungsgebäude der staatlichen Indianerbehörde FUNAI. Das von der FUNAI in Porto Velho unterhaltene "Casa do indio" (Indianerhaus) stellt für kranke Indios die einzige Möglichkeit dar, ärztlich behandelt zu werden. Denn in den indianischen Gebieten gibt es keinerlei staatliche Gesundheitsversorgung. Auch im "Casa do indio" gibt es mittlerweile kaum noch Hilfe für die Indios; die Patienten werden nicht einmal ausreichend ernährt. Die Ursache für den unhaltbaren Zustand liegt in der Politik der brasilianischen Regierung, die die Mittel der FUNAI um 70 Prozent gekürzt hat. Der schlimme Zustand in Porto Velho spiegelt die Situation der Indios in ganz Brasilien wieder. Immer wieder sterben Indianer, weil sie in den Krankenhäusern nicht behandelt werden oder weil die staatlichen Behörden ihren Aufgaben nicht nachkommen.


CUNPIR kämpft weiter
- Die indianische Organisation CUNPIR setzt ihren Widerstand gegen die staatliche lndianerpolitik fort. Vertreter der CUNPIR reisten inzwischen in verschiedene indigene Gebiete um die dortige Situation kennenzulernen. Künftig will CUNPIR verstärkt an Projekten mitarbeiten, die die Lebensbedingungen der Indios verbessern.

ARA-Broschüre ,,Indianerland Rondönia" -Im Frühjahr 1997 wird in der Reihe ,,Ara konkret" das Heft 4 vorliegen. Es befasst sich mit der Geschichte und dem heutigen Leben der rund 40 indianischen Völker des brasilianischen Bundeslandes Rondonia. Authentische Berichte erzählen nicht nur vom physischen Überlebenskampf jener Völker. Sie schildern auch Strategien, mit der sie ihre Kultur und die verbliebenen Waldökosysteme zu retten versuchen. ,,Ara konkret" 4 zeigt auf, wie indianische Völker und engagierte Menschen in der Bundesrepublik als gute Partner zusammenwirken. Die Broschüre wird in gemeinsamer Trägerschaft von ARA (Arbeitsgemeinschaft Regenwald und Artenschutz) und anderen Organisationen, die sich für die indigenen Völker Rondonias einsetzen, herausgegeben. Der Bund für Naturvölker zählt dazu.


Bei der CUNPIR in Rondonia - Hubert Groß, 2. Vorsitzender des Bundes für Naturvölker, hat im Februar und März 1996 die Indio-Organisation CUNPIR besucht. Seit Ende 1995 hatten sich die Hilferufe von dort verstärkt, ausgelöst durch die Veränderung des staatlichen Dekretes zur Demarkation indianischer Gebiete und die vielen Übergriffe auf Indianerland. Hubert Groß stand der CUNPIR bei konzeptionellen Arbeiten zur Seite, auch bei Verwaltungsfragen, die den Mitarbeitern noch ziemliche Schwierigkeiten bereiten.

 

 

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Sandrinha Barbosa ist Schamanin
und Ärztin vom Volk der Xocó
Photo: J. Wolters

 

 

 


Hubert Groß (r.) leitet das Büro der Associacao UIRAPURU. Manoel Valdez ist Mitarbeiter
Photo:H. Gilsenbach

Rondonia hat mit einer Fläche von 243.033 Kilometern im Quadrat fast die Größe der alten Bundesrepublik. Die indigenen Gebiete bilden ein Fünftel dieser Fläche.
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